Stephanie Witt-Loers moderiert die Podiumsdiskussion zum Thema „Sterbehilfe-Sterbebegleitung“

In der Diskussion, die im Rahmen des 10-jährigen Bestehens der Johanniter-Hospizarbeit veranstaltet wurde, stellten acht Experten ihre Position und Erfahrungen zum Thema Sterbehilfe und Sterbebegleitung aus unterschiedlichen Positionen dar. Gisela Dreyer (Gesellschaft für Humanes Sterben) stellte fest, dass in unserer Gesellschaft die Zeremonien um Tod, Bestattung und Trauer fest verankert sind, aber eine intensive und frühe Auseinandersetzung mit dem Tod, „mit dem Weg dorthin“, fehle. Pflegedienstleiter im Wiehler Johannes – Hospiz Oberberg, Andreas de Noni, erlebt bei den Patienten oft die große Angst vor Schmerzen, Luftnot oder Übelkeit, Symptome die viele Sterbende begleiten. Palliativmediziner und Hausarzt, Dirk Feuerstein, möchte den Patienten auch aus diesem Grund die Angst vor Medikamenten und deren Nebenwirkungen nehmen. Feuerstein sieht sich sehr wohl in der Lage medizinisch und schmerztherapeutisch wirkungsvoll helfen zu können, fühlt sich aber bei notwendigen psychologischen Hilfen für Patienten wie der Rufer in der Wüste, schlichtweg alleingelassen. In der um sich greifenden und oft diskutierten „Überversorgung“ todkranker Patienten durch die Apparatemedizin, sieht der Mediziner die Ursache nicht in einer oft angeprangerten Geldgier, sondern im Berufsethos des Berufsstandes: Viele Ärzte wollen alles medizinisch notwendige tun und uneingeschränkt helfen! Manchmal ist es jedoch menschenwürdiger einen Patienten in seiner letzten Lebensphase schmerztherapiert friedlich einschlafen zu lassen. Erich Lange (Deutscher Hospiz und Palliativverband) appelliert an die Familien, in denen die Vertrauensbasis vorhanden ist, um zu klären, „was man eigentlich will“. Elke Kremer (Johanniter-Hozpizdienst) bemängelt die Kenntnis in der Bevölkerung über die Hospizarbeit und plädiert für eine frühe Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben. Schon in der Schule, so ihre Erfahrung, lasse sich diese Thematik positiv einbinden. Für Jochen Gran (evangelischer Pfarrer) ist das Sterben eine der wichtigsten und intensivsten Lebensphasen. Sein Wunsch ist es, bewusst, mit allen auszuhaltenden Schmerzen sterben zu wollen. Er weist dabei auch auf die Bedeutung der Menschen hin, die einen Sterbenden begleiten. Die Moderatorin des Abends, Stephanie Witt-Loers, Buchautorin aus Bergisch Gladbach, hielt die Thematik „Sterben begleiten oder helfen“ immer im Fokus und befragte zur komplexen Rechtslage Helga Bischoff, Betreuungsrichterin am Amtsgericht Waldbröl. Bischoff verwies zunächst auf einen bedauerlichen gesellschaftlichen Wandel und erlebt immer häufiger, dass todkranke Menschen von Angehörigen allein gelassen werden.
Die Rechtslage ist in der Tat kompliziert. Zu unterscheiden ist die passive- von der aktiven Sterbehilfe und die indirekte Sterbehilfe vom assistierten Suizid. Jeweils unterschiedlich sind folgende Situation zu werten: Stelle ich einem Menschen lediglich ein Medikament zur Verfügung und überlasse ihm ohne weitere Beeinflussung den Zeitpunkt der Einnahme oder lege ich die Pille auf den Nachttisch und bleibe bei der Einnahme im Zimmer (unterlassene Hilfeleistung) oder flöße ich einem Menschen das Medikament auf dessen Wunsch sogar ein (Tötung auf Verlangen etc.) .Im November soll in Berlin eine Änderung der Gesetzeslage beschlossen werden. Mehrheitlich waren die Diskussionsteilnehmer abschließend allerdings der Meinung, dass Deutschland kein neues Gesetz zur Regulierung der Sterbehilfe benötige. Eine Voraussetzung sollte erfüllt sein: Der Sterbende muss in ein gut funktionierendes soziales Netzwerk eingebunden sein, das den Menschen auffängt, ihm Geborgenheit gibt und ihn in seiner letzten Lebensphase nicht sich selbst überlässt. Palliativmedizin, psychologischer- und seelischer Beistand sowie die Anwesenheit vertrauter Menschen können nicht darüber hinwegtäuschen: Sterben ist nicht leicht und aus der individuellen Wahrnehmung ist das Leben immer zu kurz!

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