www.vph-bensberg.de Vinzenz Palotti Hospital Bensberg

Termine und Angebote des Vinzenz Palotti Hospitals Bensberg

 

www.kinderhospiz-balthasar.de

Termine und Angebote des Kinder- und Jugendhospizes Balthasar in Olpe

 

www.sozialnet.de

Deutschsprachige Plattform für Fachinformationen aus Sozialwirtschaft und Nonprofit-Management

 

www.schulische-krisenintervention.de

Termine und Angebote des Sinus-Vereins

 

www.v-r.de

Verlag Vandenhoeck und Ruprecht
Die Bücher von Stephanie Witt-Loers : „Sterben, Tod und Trauer in der Schule - eine Orientierungshilfe“ und "Trauernde begleiten" sind dort 2009 und 2010 erschienen.


www.kindertherapienetz.de


www.crossing-waldschmidt.de


www.natuerlich-trauern.de

 

 

Artikel von Stephanie Witt-Loers zum Thema Trauer um ein Kind:

(erschienen August 2007)

Trauer um ein Kind
Wir begegnen dem Tod eines Kindes

Kürzlich wurde ich gebeten zu diesem Thema, welches zurzeit aus verschieden Anlässen heraus viele Menschen in unserer Gemeinde bewegt, etwas zu schreiben.
Gerne komme ich der Bitte nach, kann aber in dem kurzen vorliegenden Artikel nur einige wenige Aspekte zu einem sehr komplexen und vielschichtigen Thema beleuchten. Möglich wurde dieser Artikel auch durch die Offenheit und das tiefe Vertrauen der Eltern und Kinder, die ich begleiten durfte.

Abschied nehmen zu müssen von einem geliebten Menschen, egal welchen Alters, ist wohl die größte Herausforderung und der schwerste Schmerz unseres Lebens. Auch Kinder sterben:
durch Krankheiten, Unfälle, Morde oder Selbsttötung. Wenn ein Kind stirbt, ist die Erschütterung, Betroffenheit und Hilflosigkeit in unserer Gesellschaft oft besonders groß. Oft wissen wir nicht, wie wir den verwaisten Eltern und Geschwistern begegnen sollen, sind unsicher im Umgang mit den Trauernden, fehlen uns die Worte. Im Normalfall werden die Gedanken an den Tod eines Kindes verdrängt. Unser Leben soll nicht belastet und getrübt werden durch solche tragischen Schicksale in unserer unmittelbaren Nähe.
Der Tod eines Kindes bedeutet für die betroffene Familie eine tiefe und langfristige Krise. Trauer ist die natürliche Reaktion auf Verlust, sie hat ihre ganz spezifische Zeit, ihr eigenes Maß und zeigt sich auf geistigen, körperlichen und psychischen Ebenen, so individuell und vielfältig wie wir selbst sind. Sie erfasst den ganzen Menschen. Trauer ist kein vorübergehender Zustand, sondern ein langer Prozess, der sich ständig wandelt und bei jedem Menschen anders verläuft, auch wenn wir gewisse Phasen der Trauer, wie sie in der Trauerforschung beschrieben werden, erkennen können.
Tiefe seelische Entwicklungen der Trauer, die verwaiste Eltern, die Geschwister, aber auch andere Trauernde durchleben, sind für Außenstehende oft nicht sichtbar. Trauernde sind äußerst sensibel und abhängig von der Toleranz und Akzeptanz ihrer Umwelt. Sie müssen lernen mit dem Verlust und dem Schmerz zu leben. In der Trauerforschung spricht man von Aufgaben, die die Trauer stellt, die bewältigt werden müssen, wenn Trauernde wieder zu einem sinnerfüllten Leben finden wollen. So müssen sie ihr Leben neu ordnen, sich langsam  Zurechtfinden, sich finden in einer fundamental veränderten Lebenssituation, die Familie neu strukturieren und das braucht  Zeit und Raum, denn nichts ist mehr so wie es war. Unsere Gesellschaft mit ihren hohen Leistungsansprüchen und ihrer ausgeprägten„Vergnügungskultur“ lässt Trauernden wenig Raum zum Trauern und verlangt oft, dass sie schnell wieder funktionieren. Wenn wir Trauernde unterstützen möchten, müssen wir bereit sein, Schmerz mit-zu-tragen, An-teil zu nehmen, bereit sein, Leiden zuzulassen und auszuhalten. Trauende erwarten keine fertigen Konzepte oder Antworten auf Fragen, die nicht zu beantworten sind, aber sie wünschen sich Menschen, die ihre Trauer zulassen. Anteil nehmen am Leben und Sterben der Familie bedeutet erspüren, wie viel Nähe oder Distanz der trauernde Mensch jetzt braucht. Es bedeutet offen zu sein für aktuelle Situationen, um darauf eingehen zu können. Wir selbst müssen bereit sein, die Trauer in ihrer vielfältigen Form, wie der Verzweiflung, der Ohnmacht, der Tränen, des Schreiens und der Wut, die Trauer mit sich bringt, anzunehmen, zuzulassen und auszuhalten. Der vorschnelle Trost und damit die Unterdrückung des Schmerzes sind für die Trauernden keine Hilfe.
Das Auftauchen des Todes kann von den Betroffenen, aber auch von Außenstehenden als Gewalt erlebt werden, die über uns hereinbricht, der wir ohnmächtig gegenüberstehen. Diese Erfahrung kann Wut und Aggression hervorrufen. Auch diese Gefühle anzunehmen, sie nicht wegzudiskutieren, sondern ihnen Raum zu geben ist für die Bewältigung der Trauer heilsam. Eine gewährende Haltung gegenüber dem Trauernden anzunehmen kann auch bedeuten, Schweigen und Stille zuzulassen, kann heißen, dass der betroffene Mensch sich uns anvertrauen darf, sich uns zumuten darf und wir bereit sind, uns auf seine Verfassung einzulassen. Es bedeutet zuzuhören, immer und immer wieder. Das Geschehene zu erzählen, ermöglicht Betroffenen eine eigene Auseinandersetzung. Auch das Mitteilen von Leid hilft oft den Schmerz frei werden zu lassen. Das erfordert auch von uns Geduld und Mut, denn diese Auseinandersetzung bringt die Beschäftigung mit den existenziellen Fragen bezogen auf unser eigenes Lebens mit sich, Fragen nach dem Ursprung und Sinn des Lebens, dem Prozess des Sterbens, dem Tod und damit der eigenen Endlichkeit. Aber diese Berührung eröffnet uns auch neue mögliche Sichtweisen auf Wesentliches: auf das nackte Mensch sein, dass uns in unserer oft so äußerlich orientierten Welt nach sozialem Status, Prestige und materiellen Werten abhanden kommt. Wenn wir die Möglichkeit des Sterbens in Gedanken und Gefühlen im Austausch mit anderen Menschen zulassen, zeigen sich Perspektiven im eigenen Umgang mit Trauer und wir können Trauer als notwendige und positive Erfahrung würdigen. Wir können lernen behutsam und achtsam zu werden im Umgang mit trauernden Menschen und dadurch auch mit uns selbst und unserer eigenen Umwelt, wach zu werden für Gegenwärtiges und für die wertvollen Augenblicke unseres Alltags. Die Erfahrung, Menschen so unmittelbar und tief zu begegnen, kann uns selbst unendlich reich machen.
Der Tod eines Menschen aus unserer unmittelbaren Gemeinschaft ist für uns alle, auch für unsere Kinder, eine Chance sich sensibel gemeinsam mit dem Thema Leben und Sterben vertraut zu machen und das Sterben als einen Teil unseres Lebens zu begreifen. Wir können Grenzen wahrnehmen und Verluste in unser Leben integrieren. Es ist eine der möglichen Erfahrungen, die wir jetzt machen können, dass wir den Weg der Trauer nicht immer allein gehen müssen und wir durch das gemeinsame Trauererlebnis Verständnis entwickeln können füreinander in Zeiten der Trauer, für Menschen in Trauer, dass wir Wege finden können Trost zu finden und zu spenden. Indem wir uns selbst reflektieren - welche Gefühle habe ich im Zusammenhang mit Tod und Trauer und wie begegne ich ihnen, was würde ich mir wünschen, wäre ich in Trauer - lernen wir, mit einem Teil unseres Lebens umzugehen, der noch immer zu den unbequemen Tabuthemen zählt, die aus unserem Leben ausgegrenzt werden.
Das verstorbene Kind wird der Familie immer fehlen. Die Eltern und Geschwister werden immer Eltern und Geschwister dieses Kindes sein und es wird immer eine Lücke bleiben. Wir alle können aber durch unser Verhalten dazu beitragen, dass die verwaisten Eltern und auch andere Trauernde mit dem Verlust leben können und vor lebenslangen Traumata bewahrt werden. Wir lindern den Schmerz, indem wir die Begegnung mit den Betroffenen, seien es verwaiste Eltern oder auch andere Menschen in Trauer, zulassen, sie nicht allein lassen, sie nicht ausgrenzen mit ihrer schwierigen Lebenssituation, nicht die Straßenseite wechseln oder beim Einkauf wegschauen, selbst wenn wir uns unsicher fühlen. Wir können Trauernde fragen, ob wir sie ansprechen dürfen. Wir dürfen unsere eigene Betroffenheit und Ohnmacht zeigen. Wir dürfen Sie bitten zu erzählen, wenn sie mögen. Wir respektieren, wenn Trauernde allein sein möchten und sollten nicht gekränkt sein, dass sie unser Angebot im Moment nicht annehmen können und werden. Trotzdem sind wir weiter sehr sensibel für die Trauernden da. Indem wir Trauernden in unserer eigenen Unvollkommenheit aus ehrlichem Herzen heraus begegnen, indem wir Erinnerungen zulassen und teilen, den Verstorbenen nicht zusätzlich totschweigen oder indem wir einfach unsere Unterstützung bei den alltäglichen Aufgaben anbieten, können wir eine Hilfe auf dem schweren Weg der Trauer sein.
Wenn wir dem toten Menschen einen bleibenden Platz in unserem Leben geben und -wie in der Geschichte der Raupe, die zum Schmetterling wird - anerkennen, dass der Verstorbene nicht weg ist, sondern lebt in einer anderen Form, dann liegt darin auch die Hoffnung, mit der wir hier unser Leben weiterleben und lieben können. 

Stephanie Witt-Loers