Kinder

Einzelbegleitung trauernder Kinder / Kindertrauergruppen

Kinder trauern

Verlust, Abschied, Tod und Trauer gehören auch für Kinder zum Lebensalltag.

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Neben Abschieds- und Verlustsituationen wie z. B. Verlust von Spielzeug, die Abwesenheit von Bezugspersonen, von Freundschaft, Tod des Haustieres oder der Scheidung der Eltern erleben auch Kinder den Tod eines ihnen nahe stehenden Menschen und nehmen diesen mit seinen Konsequenzen wahr. In der Kindheit erfahrene Verluste und deren Bewältigung (wie z. B. der Tod einer nahe stehenden Person, der Eltern, Geschwister, der Großeltern, eines Freundes, einer Freundin oder eines Mitschülers) haben Einfluss auf die weitere Entwicklung und Bindungsfähigkeit des Kindes. Daher ist es wichtig, Kinder mit dem Erlebten nicht alleine zu lassen. Anders als Erwachsene haben Kinder nur wenige eigene Möglichkeiten, das Erfahrene zu deuten. Einfach weil das Reservoir ihrer Kenntnisse und Lebenserfahrungen noch klein ist. Sie zeigen häufig durch ihr Verhalten, dass sie sich in einer Krisensituation befinden und werden schnell in ihrer Trauer übersehen. Deshalb sind sie auf Erwachsene angewiesen, die sie sensibel wahrnehmen, denen sie sich mitteilen können und die sie durch Informationen, Aufmerksamkeit sowie Zuwendung bei der Bearbeitung ihrer individuellen Trauer unterstützen. (Auszug aus dem Buch: Kindertrauergruppen leiten- ein Handbuch, Gütersloher Verlagshaus, Stephanie Witt-Loers, Birgit Halbe, Gütersloh 2013)

Kinder trauern anders als Erwachsene

Kinder trauern wie Erwachsene so schwer, so lang, aber anders. Kinder begegnen Tod und Trauer mit der ihrem Alter verbundenen Todesvorstellung und ihrer persönlichen Entwicklung entsprechend. Die Art der Beziehung zur verstorbenen Person sowie die Umstände des Todes spielen ebenfalls eine wichtige Rolle im Trauerprozess des Kindes. Kinder trauern individuell, jedes Kind auf seine ihm eigene Art. Der Tod eines Elternteils, eines Geschwisterkindes, der Großeltern oder eines Freundes löst bei Kindern, Jugendlichen und ihren Angehörigen neben vielfältigen Gefühlen wie Trauer, Angst, Verzweiflung auch viele Fragen und Probleme aus. Der Tod eines nahe stehenden Menschen bringt Unsicherheit in das Leben des Kindes. Oft verändert sich die gesamte Lebenssituation. Kinder müssen nicht nur mit dem Verlust, sondern auch mit der Veränderung der Menschen, die um den Verstorbenen trauern, mit neuen Lebensumständen und Aufgaben im Alltag zu Recht kommen. Die Gefühle in der Trauer bei Kindern sind oft sprunghaft, schwankend und können plötzlich wechseln. Sie reichen von Fröhlichkeit, manchmal auch Albernheit, bis zu Wut, Aggression und tiefer Traurigkeit. Manche Kinder ziehen sich zurück oder verhalten sich so als ob nichts geschehen sei. Auch körperliche Symptome wie z. B. Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen aber auch Trennungs- und Verlustängste oder regressives Verhalten können auftreten.

Kinder trauern mit für sie wichtigen Pausen. Dadurch entsteht für uns Erwachsene oft der Eindruck, Kinder würden nicht trauern. Über Tod und Sterben mit Kindern zu sprechen ist nicht leicht. Erwachsene fühlen sich im Umgang mit trauernden Kindern und Jugendlichen häufig überfordert, weil sie nicht wissen, wie sie Kindern begegnen, was sie sagen sollen. Oft sind wir selbst betroffen oder nicht auf eine solche Situation vorbereitet. Es fehlen Informationen zum Themenbereich und die eigene Betroffenheit kann daran hindern, Kinder in ihrer Trauer wahrzunehmen. Deshalb fällt es Menschen aus dem nahen Lebensumfeld oft schwer Kinder auf ihrem Weg der Trauer unterstützend zu begleiten. Vielfach benötigen Erwachsene selbst Unterstützung in ihrer Trauer. Zudem kommt erschwerend hinzu, dass Kinder ihre trauernden Angehörigen vielfach nicht noch zusätzlich belasten möchten und sie sich deshalb zurückziehen.

Kindern in Krisen, nach Tod und Verlust angemessen begegnen

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Kinder brauchen grundsätzlich eine sachliche Aufklärung zu den Geschehnissen, zu ihren Fragen nach Krankheit, Sterben, Tod und Leiden. Trauernde Kinder haben Fragen, Gedanken und Gefühle, die sie verunsichern, die Sorgen und Angst machen. Häufig äußern sie dies innerhalb der eigenen Familie nicht. Kinder machen sich, wenn sie nicht informiert werden, eigene Bilder zum Geschehen. Oft sind diese schlimmer als die Realität selbst. Marcel glaubt z. B., dass das Verbrennen für die Urnenbestattung dem Papa sehr weh getan haben muss. Jessica ist davon überzeugt, dass ihre Mutter nun auch sterben wird, weil sie sich beim Papa an dem Krebs angesteckt hat. Larissa quält sich mit dem Gedanken nicht oft genug  bei dem sterbenden Bruder gewesen zu sein, sonst wäre er sicher nicht gestorben. Gut gemeinte Rücksichtnahme und das „Schonen“ des Kindes vor den unabänderlichen Ereignissen führen zu einem Vertrauensverlust der verbleibenden Bezugspersonen und erschweren zudem den Trauerprozess. Kinder brauchen die Möglichkeit, den Verlust für sich zu begreifen, ihren Gefühlen, Gedanken und Ängsten Ausdruck zu verleihen, um sich in der veränderten Welt wieder zu Recht zu finden. Sie brauchen einfühlsame Begleiter und aufmerksame Gesprächspartner, die ihnen ehrlich auf Fragen antworten, damit sie ihre eigenen Gefühle und Gedanken ordnen können. Mit fortschreitender Entwicklung und zunehmendem Alter werden Kinder ihrer Trauer anders und neu begegnen.

(Auszüge aus dem Buch: Kindertrauergruppen leiten- ein Handbuch, Gütersloher Verlagshaus, Stephanie Witt-Loers, Birgit Halbe, Gütersloh 2013)

Möglichkeiten der Unterstützung

Um Kinder und ihre Familien qualifiziert zu unterstützen bietet das Institut Dellanima spezifische Fachangebote. Das Institut Dellanima bietet die Möglichkeit der Teilnahme an einer Kindertrauergruppe, professionelle Einzeltrauerbegleitungen für Kinder sowie systemische Familientrauerbegleitung. Zudem arbeitet das Institut mit Institutionen und Ärzten verschiedener Fachbereiche zusammen, die die Begleitung  kompetent und sinnvoll ergänzen können. Wesentlich ist das sorgfältige Anamnesegespräch des Instituts Dellanima, um Kindern die ihren Bedürfnissen entsprechende individuelle und qualifizierte Unterstützung zu bieten, die sie benötigen. (Der Dellanima Anamnesebögen für Erstgespräche zur Begleitung von trauernden Kindern Jugendlichen und Familien wurden vom Institut entwickelt und erstmals im Januar 2013 für Fachkollegen zur Nutzung veröffentlicht) So kann jedes Kind mit seinen persönlichen Bedürfnissen wahrgenommen und unterstützt werden. Kindern erhalten die Möglichkeit ihrer Trauer und den damit verbundenen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Im geschützten Raum der Einzelbegleitung oder der Kindertrauergruppe, bekommen Kinder Informationen zum Themenkomplex und können einen Ort für sich und ihre Trauer finden. Hier haben Kinder die Möglichkeit Fragen zu stellen, Antworten zu suchen und den Tod als Teil des Lebens zu verstehen. Positive Aspekte in der Trauer sowie individuelle Fähigkeiten und Ressourcen werden aufgedeckt und gestärkt. Kinder werden durch Gespräche, Impulse (Texte, Musik  Filme, Spiele…) und kreative Angebote alters entsprechend in ihrem individuellen Trauerprozess und der Bearbeitung der Traueraufgaben begleitet. In der Kindertrauergruppe erleben Kinder, dass sie mit ihrer Trauer- und Verlusterfahrung nicht allein sind, sie erfahren Verständnis, Unterstützung und können sich untereinander austauschen.

Vorgespräch/Anamnese

Wann eine Einzelbegleitung, der Besuch einer Trauergruppe oder eine andere Unterstützung für ein Kind sinnvoll ist, kann nach dem Konzept des Instituts Dellanima erst nach einem sorgfältigen Vorgespräch verantwortlich entschieden werden. Deshalb werden Kinder nur nach einem intensiven Erstgespräch mit einer erziehungsberechtigten Bezugsperson im Institut unterstützt und/oder an Fachärzte verwiesen. Zudem sollte in jedem Fall die Entscheidung auch vom Kind mitbestimmt und getragen werden.

Einzelbegleitungen für Kinder und Jugendliche

Neben den Trauergruppen/Trauercafe und der Familientrauerbegleitung bietet das Institut Dellanima die Möglichkeit der professionellen Einzelbegleitung von Kindern und Jugendlichen.

Einzelbegleitungen bieten sich an für Kinder und Jugendliche bei denen Hinweise zu einem erschwerten oder zu komplizierten bzw. traumatischen Trauerprozessen vorliegen. Dies können beispielsweise bestimmte Todesumstände, schwierige, aktuelle Lebensumstände, zuvor bestehende Schwierigkeiten in der Familie, im sozialen Umfeld, eine zwiespältige oder sehr enge Beziehung zum Verstorbenen, schon erlebte oder mehrere Verluste gleichzeitig sein. Komplizierte oder traumatische Trauerprozesse können nicht in einer Gruppe begleitet werden. Zudem sind Kinder, die ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit, Struktur, Individualität und/oder ungeteilter Aufmerksamkeit haben, in einer Einzelbegleitung besser aufgehoben als in einer Trauergruppe.

Von großer Bedeutung sind Einzelbegleitungen auch, weil sie die Möglichkeit bieten Kinder vor dem absehbaren Tod einer Bezugsperson zu begleiten und den unabänderlichen Abschied so gut wie möglich zu gestalten. Eine kindgerechte Vorbereitung auf den Tod und ein begleiteter Abschied beeinflussen den Trauerprozess von Kindern positiv. Kein Abschied oder ein schwieriger Abschied kann den Trauerprozess hingegen negativ beeinflussen und behindern.

Auch nach Jahren kann eine Einzelbegleitung oder Trauergruppe noch wichtig sein, z.B. dann wenn das Kind beim Verlust noch sehr jung war oder es keine Möglichkeit gab Abschied zu nehmen.

Weitere Informationen zu den Kindertrauergruppen und zur Begleitung von Bezugspersonen finden Sie hier.

Informationen zu Familientrauerbegleitungen finden Sie hier. Eine Familientrauerbegleitung kann auch eine gute und sinnvolle Ergänzung zu Einzeltrauerbegleitungen, zur Kindertrauergruppe, zum Trauercafe oder anderen Unterstützungen sein.

Für Ihre Fragen zu trauernden Kindern stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Termine für ein kostenloses Vorgespräch können Sie telefonisch oder per E-Mail vereinbaren.

Kinderstimmen:

Miriam, 11 Jahre:  „Ich bin froh, dass ich hierher kommen kann, hier kann ich endlich reden, fragen aber auch spielen.“

Nikolas, 9 Jahre: “ Wenn ich nicht möchte muss ich nichts sagen, wir spielen und lachen auch – manchmal sind wir auch traurig und weinen, dann gibt es hier extra schöne Taschentücher. Das finde ich echt gut.“

Anna, 8 Jahre: „Als meine Mama gestorben ist, dachte ich sie ist gegangen weil sie mich nicht mehr lieb hatte.  Jetzt weiß ich, dass sie eine Krankheit hatte, die nicht geheilt werden konnte. Darüber bin ich froh, dass ich das jetzt weiß.“

Michelle, 10 Jahre: „Ich hatte viele Fragen als ich hierher kam.  Wer ist Schuld, dass Papa krank geworden ist? Muss ich jetzt auch sterben? Ist der Krebs ansteckend? Wenn der Papa verbrannt wird, tut das weh? Wo sind in der Urne der Kopf und die Füße? “

Frederik, 11 Jahre: „Ich wollte unbedingt wissen, gibt es trotzdem noch Weihnachten?“

Manuel, 9 Jahre: “ Ich dachte, wenn einer gestorben ist, ist er sofort ein ekliges Skelett und hatte Angst. Aber das stimmt gar nicht. Viele Tote sehen sehr friedlich aus und wir können uns sogar von den toten Menschen verabschieden.“

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