Präventives Grundschulprojekt

Präventives Grundschulprojekt zum Themenbereich Sterben, Tod und Trauer:

„Kinder damit vertraut machen, dass der Tod zum Leben gehört“

praeventivDer Tod ist für viele Erwachsene ein Tabuthema. Kinder können jedoch durchaus damit umgehen. Auch sie machen Trauererfahrungen und müssen lernen damit umzugehen.

Dirk Blümke, Referatsleiter für Hospizarbeit des Generalsekretariates der Malteser in Köln und Stephanie Witt-Loers, Kinder- und Familientrauerbegleiterin, Dozentin und Autorin vieler Fachbücher sind sich einig. Die Schule sollte Raum bieten für wichtige Lebensfragen wie Sterben, Tod und Trauer. Deshalb haben die Beiden ein Grundschulprojekt zu Sterben, Tod und Trauer entwickelt. Sie selbst waren mit ebenso viel Begeisterung bei den Projekttagen wie die Schülerinnen und Schüler der kath. Grundschule Frankenforst.

Gerade wenn es um die sensiblen Themen „Sterben Tod und Trauer“ geht, werden viele Menschen nachdenklich fühlen sich hilf- und sprachlos, denn eben bei diesem Themenkomplex bestehen große Berührungsängste. Das Projektteam hatte es sich zum Ziel gesetzt diese Ängste abzubauen. „Hilfreich ist es, sich nicht erst dann, wenn das Thema gerade akut ist damit zu beschäftigen“, so die Kindertrauerbegleiterin und Autorin Stephanie Witt-Loers.
Auf einem Elternabend wurde das Projekt mit seinen methodischen und konzeptionellen Hintergründen präsentiert. Es gab Gelegenheit Fragen zu stellen, aber auch theoretische Grundlagen zum Thema wurden erläutert.

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Als Einstieg sollte jedes Kind vor dem Projekttag ein Bild zum Thema „Abschied“ malen. Hier wurde schnell deutlich, wie oft die Kinder schon mit Abschied und Verlust konfrontiert waren. Da gab es Bilder vom Umzug, der Scheidung der Eltern, einer schlimmen Krankheit, dem Tod des Meerscheinchens, einem Unfall oder auch vom Tod der Oma, einer Cousine und vieles mehr. Anstelle der üblichen Unterrichtsfächer standen beim Projekttag Gespräche,

Filme, Spiele und die kreative Auseinandersetzung mit Sterben und Tod, Trauer und Trost, Erinnerung und den Dingen die gut tun, wenn das Leben schwer ist auf dem Stundenplan.

Mitgebracht hatte das Projektteam eine bunt gestaltete Mitte für den Klassenraum die symbolisch den Themenkomplex aufgriff und eine goldene Schatzkiste gefüllt mit Arbeitsmaterialien, Filmen, Büchern, CDs, Mal- und Bastelsachen.

„Bei den Kindern bestand enormer Gesprächsbedarf.“, erklärt Stephanie Witt-Loers, die in Bergisch Gladbach mit dem Institut Dellanima trauernde Kinder und Erwachsene begleitet sowie beim DRK Projekt „Leben mit dem Tod“ und in Olpe am Kinder- und Jugendhospiz Balthasar Kindertrauergruppen leitet.

„Ich habe die Kinder als sehr offen und interessiert erlebt“, so Dirk Blümke der das GmS Schulprojekt der Malteser bundesweit für weiterführende Schulen mitentwickelt und leitet. „Sie wollten wissen, ein Toter aussieht, wie tief ein Grab ausgehoben werden muss und woher man eigentlich weiß ob jemand wirklich tot ist.“ Beim Projekttag in den vierten Klassen ging es darum, zu vermitteln, dass Leben und Sterben miteinander verbunden sind und darüber zu informieren was eigentlich sterben und tot sein bedeutet. Zudem hatten die Kinder in einem geschützten Rahmen Raum für ihre Fragen. Die Auseinandersetzung erfolgte in der Klasse, in Einzelarbeit oder in Kleingruppen. Es wurden Bilder gemalt, Plakate gebastelt, persönliche Erlebnisse und Gefühle geschildert, gesungen, gelacht, geweint, getröstet, Entspannungsspiele und vieles mehr gemacht. Außerdem gab es Filme, Informationsinputs und Gespräche über das Sterben und den Tod aber auch dazu wie wichtig die Trauer selbst und die Erinnerungen an Verstorbene sein können. Alle Lebewesen müssen eines Tages sterben, deshalb ist es gut, über Tod und Sterben zu reden, sagte eine Schülerin. „So kann der Umgang mit Sterben, Tod und Trauer erleichtert werden und viele falsche und beängstigende Bilder können aufgelöst werden, denn oft kennen Kinder den Tod nur in Verbindung mit Gewalt aus dem Fernsehen oder dem Computer. “ erklären die Projektleiter Blümke und Witt-Loers.

Wichtig ist dem Projektteam nicht nur Wissen und negative Emotionen anzusprechen. Darum greifen sie bewusst positive Sichtweisen, Fähigkeiten und Stärken der Kinder auf, die in einer akuten Verlustsituation unterstützen und helfen die schwere Zeit zu durchleben. Das Projektteam suchte gemeinsam mit den Schülern nach Antworten zu Fragen wie: „Was tut mir gut? Was tut anderen gut, wenn sie traurig sind? Wo finde ich Trost wenn ich traurig bin und wie kann ich trösten?“ Am Ende gestalteten die Mädchen und Jungen mit viel Spaß ihren ganz persönlichen Kraftstein, den sie mit nach Hause nehmen konnten und eine Klassensonne, als Erinnerung daran, was jeder tun kann, wenn es jemandem in der Klasse nicht gut geht.

Zum gemeinsamen Abschluss wurde am Freitag mit beiden vierten Klassen und den Eltern Rückblick gehalten. Eltern konnten sich über das Projekt informieren und sehen, wie die Grundschüler mit dem Projektteam diese schwere Thematik bearbeitet hatten.

Ergänzend bietet das Projekt eine Woche später den Besuch eines Bestatters in der Schule an. Hier können die Kinder gemeinsam mit den Projektleitern noch einmal Rückschau auf den Projekttag nehmen, haben zudem noch einmal die Gelegenheit, Fragen zu stellen, eigene Erfahrungen zu schildern und über ihre Gefühle zu sprechen.

„Sehr interessant und unterschiedlich waren die Bilder, die die Kinder zu ihren Vorstellungen über das Jenseits gemalt haben. Außerdem hat mir gut gefallen, dass die Kinder auf behutsame Art an das Thema herangeführt wurden.“, sagte die Klassenlehrerin der 4 a Frau Husemann. Blümke und Witt-Loers legen großen Wert darauf, dass Toleranz gewahrt wird. So soll jeder Gelegenheit bekommen über das zu sprechen oder auch darüber zu weinen, was ihn bewegt, ohne dass andere darüber lachen. Auch die Vorstellungen vom Jenseits sollen so stehen bleiben, wie jedes Kind sie für sich sieht. „Es gibt kein wahr oder falsch, uns ist wichtig, dass die Kinder ihre persönliche, tröstliche Sichtweise haben dürfen.“  sagt Stephanie Witt-Loers.

„Es war eine tolle und wertvolle Zeit für mich und für die Klasse. Ich war sehr erstaunt und tief berührt die Kinder von einer ganz anderen Seite mit ihren sehr  persönlichen Sorgen und Ängsten kennen zu lernen,“ erklärte Frau Dommes Klassenlehrerin der 4b. „ Es war ein wertvolles Projekt, das die Kinder umsichtig an das Thema herangeführt hat. Gerne möchte ich es in Zukunft wieder unterstützen.“ so der Schulleiter der Kath. Grundschule Frankenforst Herr Jaspers über das Präventivprojekt. Wir freuen uns, dass das Projekt so viel positive Resonanz bekommen hat und die Kinder trotz der schweren Themen auch viel Spaß dabei hatten.

Grundschulen können den Projekttag über das Institut Dellanima auch für ihre Schule buchen. Das Institut bietet zudem Fortbildungen für Pädagogen und Psychologen zum Thema an.